Depression und Alkohol

Viele depressive Menschen neigen dazu, zu viel Alkohol zu trinken. Sie trinken Alkohol, um Spannungen abzubauen, Wut zu unterdrücken oder traumatische Erfahrungen zu verdrängen. Traurigkeit und Einsamkeit werden als weniger bedrückend empfunden, Situationen als weniger beängstigend. Gefühle werden abgestumpft, mit ein bisschen Alkohol erscheint zuerst das Leben schöner, mit zunehmenden Konsum ändert sich das und das Leben erscheint unerträglich, leer und sinnlos.

Dabei muss es sich nicht unbedingt gleich um eine Sucht oder Abhängigkeit handeln, oft ist es ein Missbrauch, der hier vorliegt.

Aber warum ist das so?

Was war zuerst da? Der Alkoholmissbrauch oder die Depression?

Alkohol in Verbindung mit einer Depression ist nicht selten. Es gibt viele wissenschaftliche Ansätze, um den Zusammenhang zwischen Depression und Alkohol zu analysieren. Dabei versucht man, eine philosophische Frage zu klären:

Was war zuerst da? Die Depression oder der Alkoholmissbrauch? Es ist fast die gleiche Frage wie: Was war zuerst da- die Henne oder das Ei?

Wissenschaftlich gesehen sind beide Ansätze bestätigt, es kommt jeweils auf die Situation an.

Wie gesagt, beides ist möglich:

  • Alkoholkranke können aufgrund ihrer Sucht Depressionen bekommen

oder

  • depressive Menschen können aufgrund ihrer Depression alkoholkrank werden.

Es gibt eine einfache Methode, um herauszufinden, wie beides zusammenhängt.

Hört man mit dem Trinken auf und legt eine Pause ein und die Depression verschwindet, dann ist man aufgrund des Alkoholkonsums depressiv. Bleibt die Depression, ist der Alkoholmissbrauch eine Folge der Erkrankung. Natürlich verschwinden die Symptome der Depression nicht von heute auf morgen, denn Alkoholmissbrauch bringt auch sehr viele Entzugserscheinungen mit sich.

 

häufige sind:

depressiver Jugendlicher sitzt alleine auf einer Bank

Depressiver Jugendlicher sitzt auf einer Bank

 

  • Übelkeit
  • Nervosität
  • extreme Schlafstörungen
  • Zittern
  • starkes Schwitzen
  • depressive Verstimmung

selten sind:

  • Halluzinationen
  • Krampfanfälle
  • Delirium (Verwirrtheit, fehlende Orientierung)
  • starke Erregung
  • Kreislaufstörungen
  • Nervenschmerzen an Händen und Füßen

Ist die Depression eine Folge des Alkoholmissbrauchs, dann wird diese auch gemeinsam mit den anderen Entzugserscheinungen langsam verschwinden.

Natürlich verschwinden nicht alle Symptome gleichzeitig. Was zuerst zurückgeht, sind Kreislaufstörungen, Übelkeit, Krampfanfälle, Halluzinationen und natürlich das Delirium. Halluzinationen hat man meist nur im Rauschzustand und das Delirium ist die Folge einer zu hohen Alkoholzufuhr. Man ist sozusagen weggetreten. Diese beiden Faktoren fallen natürlich bei Abstinenz sofort weg.

Langsam regeneriert sich der Körper und alle anderen Entzugserscheinungen werden immer schwächer. Auch der erholsame Schlaf stellt sich wieder ein und sobald dieser wieder da ist, werden auch die depressiven Verstimmungen, wenn sie eine Folge des Alkoholmissbrauchs sind, langsam verschwinden. Ein starkes Symptom des Entzugs ist das starke nächtliche Schwitzen. Man ist förmlich schweißgebadet. Auch tagsüber kommt es zu nicht kontrollierbaren Schweißausbrüchen. Ist der Entzug nicht so gravierend, schwitzen die Betroffenen dennoch stark an Händen und Füßen (das sogenannte Nervenschwitzen).

Bleibt die depressive Grundstimmung, dann kann davon ausgegangen werden, dass der Alkoholmissbrauch eine Folge der Depression ist und nicht umgekehrt

Alkoholmissbrauch oder Alkoholabhängigkeit

Wo liegt denn nun der Unterschied zwischen einer Alkoholabhängigkeit und eines Alkoholmissbrauchs. Denn nicht jeder, der etwas mehr Alkohol trinkt, ist gleich süchtig und muss in die absolute Abstinenz gehen.

Vorweg einmal:

Alkohol ist ein Nervengift und schadet daher dem Körper. Gelegentliches Trinken, besonders bei gesellschaftlichen Anlässen schadet dem Körper nicht wirklich, da er immer wieder Zeit zum Regenerieren hat. Er kann das Gift abbauen und sich erholen.

Wird nun täglich Alkohol konsumiert, ist das schon schwieriger. Der Körper ist mit dem Abbau beschäftigt und hat immer weniger Zeit, den Schaden zu beheben. Aber wenn sich der Konsum noch in Grenzen hält, schafft das unser Körper auch.

Werden jetzt aber täglich große Mengen an Alkohol getrunken, kommt der Entgiftungsprozess nicht zum Ruhen . Das heißt auf gut Deutsch: Der Körper ist rund um die Uhr damit beschäftigt, das Gift abzubauen, zum Regenerieren kommt er erst gar nicht. Daher kommen auch die typischen Symptome wie Zittern, Übelkeit, Schwitzen, Kreislaufstörungen usw..

 

Wo liegt nun der Unterschied zwischen Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit?

Alkoholmissbrauch

Man spricht von Alkoholmissbrauch, wenn der Alkoholkonsum zu Leiden oder Beeinträchtigungen im Beruf oder im zwischenmenschlichen Bereich einen Monat lang oder immer wiederholt in den letzten 12 Monaten führt.

Folgende Beeinträchtigungen gehören in diesen Bereich:

Vernachlässigung von Pflichten in Arbeit, Schule, Familie, Haushalt und Körperpflege.

Körperliche Gefährdungen z.B. riskante Fahrweise.

Probleme in zwischenmenschlichen Beziehungen (Man vergrämt Freunde ohne ersichtlichen Grund, man zerstört die Beziehung durch Eifersuchtsattacken, Schuldzuweisungen usw.)

Wiederholte Konflikte mit dem Gesetz

Eine Frau hält Schild mit "Hilfe"

Wer hilft mir aus meiner Depression?

 

Alkoholabhängigkeit

Sie ist in der Beschreibung dem Missbrauch sehr ähnlich.

Von Alkoholabhängigkeit spricht man, wenn es aufgrund des Alkoholkonsums einen Monat lang oder wiederholt in den letzten 12 Monaten zu ausgeprägten Leiden oder Beeinträchtigungen führt.

Dazu zählen folgende Kriterien

Starkes Verlangen, Alkohol zu trinken

Verminderte Kontrolle darüber, wann man mit dem Trinken beginnt und wieder aufhört und auch verminderte Kontrolle über die Menge, die man trinkt.

Toleranzentwicklung: Man muss immer mehr Alkohol trinken, um die gleiche Wirkung zu erzielen.

Körperliche Entzugserscheinungen, wenn man weniger Alkohol zu sich nimmt oder ein paar Tage aussetzt. Dazu zählen starke Schlafstörungen und extreme Schweißausbrüche. Diese treten vor allem nachts auf, aber auch tagsüber kommt es zu unkontrollierten Schweißausbrüchen, auch ohne körperliche Anstrengung.

Durch den Alkoholkonsum werden andere Aktivitäten stark eingeschränkt. Der Betroffene zieht sich sozial zurück, vernachlässigt seine Hobbys und kommt auch seinen Verpflichtungen nicht mehr nach (Haushalt, Kinder,…).

Der Betroffene trinkt trotz schädlicher Folgen, die er auch schon spürt, weiter.

 

Wirkung des Alkohols

Alkohol hat einen besonderen Stellenwert in der Gesellschaft. Weggehen, Partys oder Einladungen sind ohne Alkohol für die meisten Menschen undenkbar.

Warum ist das so? Warum greifen manchen Menschen in schwierigen Situationen zu Alkohol? Warum ist eine Party, bei der ein bisschen getrunken wird, für viele lustiger als eine, bei der nur antialkoholische Getränke angeboten werden?

Warum gehört zu einer Einladung in ein tolles Restaurant ein Gläschen Wein?

Ganz einfach:

Alkohol wirkt direkt auf unser Belohnungszentrum im Gehirn. Dort wirken auch andere Nervenbotenstoffe wie Serotonin, Dopamin, Endorphine, Glutamat (die sogenannten „Glückshormone“), und GABA (GABA – Abk. v. engl. gamma-aminobutyric acid, ein Neurotransmitter mit angstlösender Wirkung).

Bei Alkoholkonsum werden bestimmte Moleküle an Rezeptoren im Gehirn gebunden, so sorgen sie für veränderte Übertragungen der Nervenzellimpulse. Alkohol dockt an den gleichen Stellen an wie z.B. Valium, daher wirkt eine geringe Menge von Alkohol beruhigend und angstlösend.

Trinkt man Alkohol, werden Dopamin und Serotonin ausgeschüttet, dies hat zur Folge, dass Schmerzen gelindert werden, Angst wird gelöst, eine Art Vorfreude wird ausgelöst.

Bei der Depression spielt vor allem der Serotoninspiegel eine große Rolle. Dieser ist zu niedrig und daher werden die depressiven Verstimmungen ausgelöst. Bei der Verabreichung von Antidepressiva wird die Konzentration des Serotoninspiegels erhöht.

Ist die Depression nur aus körperlichen Ursachen (organische Depression) entstanden, dann ist das auch ein sehr guter Weg, diese in den Griff zu bekommen. Sind andere Lebensumstände die Ursache, so muss man auch diese beheben. Es ist nicht unbedingt der Sinn der Sache, den Serotoninspiegel, der eigentlich vom Körper selbst aufrecht erhalten werden sollte, stets künstlich herbeizuführen und die eigentlichen Ursachen zu vernachlässigen.

Geringe Mengen von Alkohol haben nun genau diese Wirkung. Sie wirken auf unser Gehirn und übernehmen die Wirkung der Glückshormone. Jedoch nur bei geringen Mengen. Bei übermäßigem Alkoholkonsum kehrt sich diese Wirkung in das Gegenteil. Es entsteht ein noch größerer Hormonstoffmangel. Dieser kann zu einer Verstärkung der Depression, aber auch zu einer Verstärkung von Aggressionen führen.

Dies ist auch der Grund, warum im betrunkenen Zustand alles noch schlimmer aussieht, als es wirklich ist.

Alkohol hat aber auch noch andere „angenehme“ Wirkungen, die eine wesentliche Rolle spielen.

Trinkt man Alkohol, vergeht die Zeit. Besonders einsame Menschen sitzen zuhause vor dem Fernseher und trinken. In diesem Zustand werden auch die dämlichsten Sendungen interessant und die Zeit vergeht wie im Flug.

Gesellige Menschen trinken meist nicht zu Hause, dafür gehen sie fast täglich aus, damit sie ihre Sucht befriedigen können. Fast jeder hat schon die Erfahrung gemacht, wie schnell die Zeit vergeht, wenn man mit Freunden einige Drinks kippt, nebenbei vielleicht noch Billard oder Darts spielt.

Bei beiden Varianten spürt man keine Einsamkeit, die Zeit vergeht sehr schnell, man vergisst seine Probleme und man kann einfach abschalten. Dass diese Probleme am nächsten Tag noch immer vorhanden sind, merkt man dann umso deutlicher, wenn der Alkoholspiegel fällt.

 

Alkoholentwöhnung

Alkohol als Problemlösung hilft nicht wirklich. Dies merkt man auch selbst nach einiger Zeit. Außerdem verstärkt er auch noch die Symptome der Depression, dazu komme ich aber später noch dazu.

Ohne Alkohol, auch wenn sich mancher das nicht vorstellen kann, geht alles viel besser. Auch wenn die kurzfristige Erleichterung sehr verlockend ist, die Zeit danach ist dafür umso heftiger.

Eine Alkoholentwöhnung ist nicht so einfach. Während alte Programme wie das der Anonymen Alkoholiker (AA) auf totale Abstinenz setzen, gehen die neuersten Entwicklungen eher auch die Reduzierung des Alkoholkonsums.

 

Warum hat sich diese Veränderung durchgesetzt?

Fröhliche Frau mit ausgebreiteten Armen

Geschafft! Wieder im Leben!

 

Dafür gibt es einen einfachen Grund: die Angst

 

Viele Menschen fürchten sich vor einem Leben ohne Alkohol. Alkohol spielt in unserem gesellschaftlichen Leben eine sehr große Rolle.

Werbung im Fernsehen, spezielle Angebote im Supermarkt oder im Restaurant, Einladungen zu gesellschaftlichen Anlässen, bei dem das obligatorische Gläschen Sekt getrunken wird.

 

Alkohol ist überall gegenwärtig, ob man will oder nicht.

 

Menschen, die kein Alkoholproblem haben, stört das nicht. Sie können sich entscheiden, ob sie das Angebot annehmen oder ablehnen. Personen, die jedoch ein Problem haben, sind laufend mit ihrer Sucht/ Abhängigkeit konfrontiert.

Und leider muss man auch sagen, dass Alkohol in der Gesellschaft einfach dazugehört und Personen, die abstinent leben, oft argwöhnisch angeschaut werden.

Um Menschen die Angst vor einem abstinenten Leben zu nehmen, setzt man nun auf eine Reduktion des Konsums. Dies braucht natürlich auch eine große Disziplin, die Menschen schaffen dies aber eher, als ganz abstinent zu bleiben.

Auch bei einem Rückfall fällt es den Betroffenen wieder leichter, den Schritt zur Reduktion zu machen. Der Schritt zur völligen Abstinenz wäre zu beängstigend.

Hilfe bieten hier auch spezielle Medikamente, die auf das Suchtzentrum im Gehirn wirken. Sie verringern die Lust auf Alkohol. Sollte man dennoch trinken, bereut man das schnell, da diese Medikamente schon bei geringem Konsum Kopfschmerzen und Übelkeit auslösen.

 

Alkohol und seine Wechselwirkungen

Alkohol und Angst

Angst ist ein natürlicher Instinkt, der für jedes Lebewesen überlebenswichtig ist.

Dieser angeborene Instinkt löst in gefährlichen Situationen das Fluchtverhalten aus.

Da Alkohol angstlösend wirkt, verschwindet im angetrunkenen/ betrunkenen Zustand die Angst und somit auch der natürliche Schutzfaktor, der vor Gefahren warnt. Man ist mutiger, man traut sich mehr zu, ja, man überschätzt sich und seine Fähigkeiten. Der Alkohol wird als Hilfsmittel genommen, um sein alltägliches Leben zu meistern.

Beobachten kann man diesen Aspekt generell im Verhalten von Betrunkenen. Sie fahren riskant mit dem Auto, sie spielen den Helden bei Raufereien, sie tun Dinge, die sie im nüchternen Zustand nie tun würden.

Besonders fällt dieses Verhalten bei der Gruppe der Prominenten auf. Musiker, die betrunken auftreten, um das Lampenfieber zu bekämpfen. Stars, die mit dem Ruhm um ihre Person nicht klar kommen.

Der Alkoholkonsum hat aber zwei Seiten. Im angetrunkenen Zustand löst sich die Angst, im nüchternen Zustand verstärkt er aber die Angst.

Wie kann das sein?

Ständiger Alkoholkonsum schwächt nicht nur unser Immunsystem und unsere Organe, sondern wirkt auch auf unser Nervensystem. Der allgemeine Zustand wird labiler, man traut sich immer weniger zu, man wird ängstlicher.

Wichtig ist, sich seiner Angst ohne Alkohol zu stellen. Nur dann hat man eine Chance, sie auch zu meistern. Dass das Angst macht, ist klar, aber das ist eine natürliche Angst, die man jederzeit kontrollieren kann.

Angst, die aufgrund der Entzugserscheinungen auftritt, kann man nur dadurch bezwingen, indem man mir dem Trinken aufhört. Wenn die körperlichen Entzugserscheinungen verschwinden, dann werden auch die psychischen weniger.

 Alkohol und Psyche

Übermäßiger Alkoholkonsum, der über einen längeren Zeitraum stattfindet, kann Psychosen, eine sogenannte Alkoholpsychose, auslösen.

Was sind nun Psychosen?

Einfach gesagt, sind Psychosen Zustände des Verwirrtseins. Der Kontakt zur Realität ist nicht mehr gegeben.

Bei einer Alkoholpsychose treten also Symptome einer Psychose auf. Die Personen sind sehr unruhig, sehen oder hören Dinge, die nicht da sind (z.B. weiße Mäuse) oder haben ein beklemmendes Gefühl in der Brustgegend.

Sie zeigen Gefühle der Bedrohung oder Angst, die unbegründet sind. Sie leiden auch oft unter Wahnvorstellungen (Verfolgung, Verschwörung).

Sie zeigen auch ein körperliches auffälliges Verhalten. Sie ziehen ständig an der Kleidung oder an der Tischdecke, reißen Blätter oder Taschentücher auseinander oder kauen Fingernägel.

 

Psychosen können auch lebensbedrohlich werden, besonders wenn Alkohol im Spiel ist. Hier sollte wirklich ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.

 

Leidet man unter einer Alkoholpsychose, dann muss ein Entzug gemacht werden. Reduzierung des Konsums hilft hier leider nur wenig, da schon geringe Mengen von Alkohol die Psychose auslösen können.

Alkohol und Aggressionen

Die enthemmende Wirkung von Alkohol zeigt leider auch Auswirkungen in Bezug auf Gewalt. Personen, die zu Gewalt neigen, werden dadurch aggressiver und gewalttätiger.

Es kommt zu einer höheren Reizbarkeit, schon der kleinste Auslöser kann zu exzessiven Gewaltausbrüchen führen. Der Betroffenen kann die Situationen nicht mehr einschätzen und reagiert mit hohem Aggressionspotential.

Die meisten häuslichen Gewaltattacken sind die Folge von Alkoholmissbrauch. Dieses Verhalten führt dann auch zu Einsamkeit, da sich Freunde und Familie abwenden, zu Konflikten mit dem Gesetz, man wird zum sozialen Außenseiter.

Alkohol und Schlaf

Alkohol beeinträchtigt den gesunden, erholsamen Schlaf immens. Wo ein bis zwei Gläschen Bier noch als Einschlafhilfe gelten, ist bei übermäßigem Alkoholkonsum Schlaf kaum möglich.

Trinkt man nur einmal über den Durst, kann es sein, dass man wirklich noch durchschläft. Doch bei Alkoholmissbrauch, der über einen längeren Zeitraum geht, kann der Körper sich nicht mehr erholen.

Die Schlafstörungen beginnen meist schleichend, werden dann aber immer mehr- dies geschieht analog mit der Erhöhung der Alkoholmenge. Der Körper gewöhnt sich ja an die Menge von Alkohol und braucht dann immer mehr. Je mehr Alkohol der Körper nachts abbauen muss, desto weniger kann er sich ausruhen.

Die Schlafstörungen laufen eigentlich immer nach einem bestimmten Schema ab:

Meist kann man einschlafen, da man ja betrunken ist. Nach 2-3 Stunden beginnt der Körper den Alkohol abzubauen. Dies beansprucht jedoch alle Kraft, da es sich meist schon um eine Alkoholvergiftung handelt. Man wacht auf und kann nicht mehr einschlafen. Dazu kommen auch noch extreme Schweißausbrüche. Man ist quasi nassgeschwitzt und man hört auch nicht mehr auf zu schwitzen. Gleichzeitig erfährt man das Gefühl der Kälte, fast ähnlich wie bei einer Grippe.

Besonders ausgeprägt ist das sogenannte Nervenschwitzen an Händen und Füßen. Dies findet auch tagsüber statt, es hört eigentlich nie auf.

Manche Menschen haben an dieser Stelle auch Nervenschmerzen an Händen und Füßen. Sie haben das Gefühl, sie müssten sich die Gliedmaßen ausreißen, sie kommen einfach nicht zur Ruhe.

Einschlafen kann man erst wieder, wenn der Großteil des Alkohols abgebaut ist, also in den frühen Morgenstunden. Dieser Umstand beeinträchtigt die Ausübung des Berufes sehr, die Menschen sind nicht fähig zu arbeiten.

Meist geht es den Abhängigen am nächsten Morgen so schlecht, dass sie wieder Alkohol zu sich nehmen. Damit wird der Alkoholpegel wieder hinaufgesetzt und die Entzugserscheinungen schwächen ab. Es geht ihnen auf einen Schlag wieder besser.

Dies ist leider ein Teufelskreis, der sehr schwer zu durchbrechen ist. Die Depression verstärkt sich auch dadurch, da die negativen Auswirkungen des Missbrauchs bereits das Leben beinträchtigen.

Alkohol und Gewichtszunahme/-abnahme

Da Bier, Wein & Co. sehr viele Kalorien haben, ist es meist unausweichlich, dass man bei Alkoholmissbrauch zunimmt. Wird Energie in Form von Bier, Wein usw. zugeführt, verbrennt der Körper diese zuerst. Bei einer Abhängigkeit ist es aber so, dass Unmengen von Kalorien zugeführt werden. Der Körper kann sie nur speichern.

Bei Abhängigen, die nur Spirituosen trinken, also Schnaps ohne Limonaden, verhält es sich meist umgekehrt. Sie führen reinen Alkohol zu sich, dieser belastet den Körper mehr, daher braucht dieser mehr Energie, um damit fertig zu werden.

Sie nehmen meist ab. Auch bei Drogenabhängigen kann man dies beobachten.

Auffällig ist auch, dass Abhängige, die vorwiegend Bier trinken, sehr wenig oder fast nichts essen. Sie nehmen bereits durch das Bier so viele Kohlenhydrate zu sich, dass sie keine weiteren mehr benötigen. Bei Weintrinkern verhält es sich ein bisschen anders. Auch sie haben schlechten Appetit, meist jedoch bekommen sie nach einer gewissen Menge von Wein Hunger, da die Kohlenhydratezufuhr nicht so hoch ist.

Wenn man bereits depressiv ist, ist eine Gewichtszunahme natürlich nicht von Vorteil. Sie drückt noch mehr die Stimmung, was wiederum zu mehr Alkoholkonsum führt.

Hört man auf zu trinken oder reduziert man seinen Konsum drastisch, pendelt sich das Gewicht meist langsam wieder ein. Vorausgesetzt natürlich,  man ändert seine Essgewohnheiten nicht drastisch und isst sehr viel.

 

Gesundheitliche Folgen einer Alkoholabhängigkeit

Jahrelanger Alkoholmissbrauch kann sehr viele Spätfolgen haben. Sie treten nicht plötzlich auf, sondern kommen schleichend. Man übersieht oft die ersten Anzeichen und trinkt weiter. Erst wenn der Körper ernste Warnsignale sendet, über die man nicht mehr hinwegsehen kann, dann beginnt man, den Konsum, sofern man noch kann, zurückzuschrauben.

 

Gehirn

Gehirnzellen sterben ab. Daher lässt auch die Gedächtnisleistung nach. Nach jahrelangem Missbrauch kann es zu einem organischen Psychosyndrom und einer Alkoholdemenz kommen.

Psychosyndrom: Persönlichkeitsveränderung, Schwächung der Hirnleistung. Sie ist durch eine Abstinenz heilbar.

Alkoholdemenz: Durch die Schädigungen des Gehirns ist die Erinnerungsleistung gestört. Es kommt zu einer Verminderung aller Bereiche im intellektuellen Bereich.

Magen

Alkohol schädigt auf Dauer die Magen- und auch die Darmschleimhäute. Sie entzünden sich, hier spricht man von einer

Gastritis.

Leberschäden

Die Leber ist beim Abbau des Alkohols das wichtigste Organ. Trinkt man nur gelegentlich einen über den Durst, kann sie sich wieder erholen. Konsumiert man aber täglich Unmengen von Alkohol, hat sie zum Regenerieren keine Zeit. Sie gerät in Dauerstress und kann sich nicht mehr erholen. Es kommt folglich zu einer sogenannten Fettleber. Darunter versteht man eine vergrößerte Leber.

Bei der Fettleber kommt es zu einem Druckgefühl im Oberbauch, einem Völlegefühl, Appetitlosigkeit und Übelkeit.

Auch Diabetiker leiden oft unter einer Fettleber, dies hat jedoch nichts mit Alkoholkonsum zu tun.

Eine Fettleber bildet sich wieder zurück, wenn man eine Zeit lang abstinent lebt oder den Konsum drastisch zurückschraubt. Trinkt man aber weiter, entzündet sich die Leber, es entsteht eine Alkohol-Hepatitis.

Unter Alkohol-Hepatitis versteht man eine Gelbsucht, du aufgrund des Alkoholkonsums entstanden ist.

Erkrankt man an Gelbsucht, ist der Bilirubin-Stoffwechsel gestört, es wird im Gewebe eingelagert. (Bilirubin entsteht beim Abbau von alten Blutkörperchen.)Daher kommt die typische Gelbfärbung der Augen und Haut.

Weiter Symptome sind Ermüdung, Appetitverlust, geschwächtes Immunsystem, Blähbauch und Darmblutungen.

Eine Alkohol-Hepatitis kann man durch eine strenge Diät und Abstinenz vollkommen ausheilen.

Trinkt man weiter, sterben Leberzellen ab. Sie werden durch inaktives Gewebe ersetzt, es kommt es zu einer Leberzirrhose. Diese ist unheilbar.

Leidet man an einer Leberzirrhose, kann man nur durch eine Lebertransplantation sein Leben retten.

 

Mann mit depressiver Wolke

Eine Wolke verhindert die Sicht!

 

Bauchspeicheldrüse

Durch übermäßigen Alkoholmissbrauch kann es zu einer chronischen Entzündung der Bauchspeicheldrüse, einer sogenannte Pankreatitis, kommen.

Symptome sind heftige Schmerzen, die gürtelförmig um den Bauch laufen

Nerven

Hierhin gehören die sogenannten Nervenschmerzen an Händen und Füßen,  die ich an einer anderen Stelle bereits erwähnt habe.

Der Alkohol schädigt die Nervenbahnen, es kommt außerdem zu einem Mangel von Vitamin B, das für die Nerven sehr wichtig ist.

Bemerkbar machen sich diese Schäden durch Kribbeln, Taubheitsgefühl und Muskelbeschwerden.

Hört man mit dem Trinken auf, verschwinden diese Beschwerden meist nach ein paar Monaten.

Immunsystem

Viele Alkoholiker essen aufgrund des Konsums nicht sehr viel,

bzw. essen tagelang nicht. Dadurch wird ihr Immunsystem sehr geschwächt.

Epilepsie

Bei manchen Alkoholikern kommt es zu epileptischen Anfällen, wenn sie plötzlich zu trinken aufhören. Dies kommt aber eher selten vor.

Eifersuchtswahn

Bei vielen Alkoholikern verändert sich die Sichtweise in Beziehung auf ihren Partner. Sie glauben immer, sie würden betrogen werden. Kleinigkeiten werden missdeutet und auf sachliche Argumente können die Betroffenen nicht reagieren. Sie haben den Bezug zur Realität verloren.

 

Schlusswort

Depression und Alkoholmissbrauch sind sehr eng miteinander verbunden. Die meisten depressiven Menschen versuchen, ihre Probleme, Einsamkeit und Sehnsüchte mit Alkohol zu verdrängen. Dies funktioniert auch eine gewisse Zeit, jedoch ändert der Konsum nicht die Realität. Die Lebensumstände ändern sich nicht, im Gegenteil, die Probleme werden aufgrund des Alkoholkonsums mehr. Die Auswirkungen spürt der Betroffene in Beruf, Familie und Freundeskreis. Wenden sich alle ab, ist der soziale Rückzug vollendet. Dadurch entsteht noch mehr Einsamkeit und der Teufelskreislauf schließt sich.

An dieser Stelle ist es wichtig, auf seine innere Stimme zu hören. Diese zeigt dir bereits die Grenzen auf. Die Symptome, die dein Körper aussendet, sind nicht zu übersehen. Du spürst sie und du weißt auch, dass du bereits über deine Grenzen gehst.

Auch bei einer Abhängigkeit hast du immer wieder die Wahl: Trinke ich nun oder lasse ich es bleiben.

Meist ist das Trinken nur eine Angewohnheit, die die Einsamkeit vergehen lässt. Du musst die Gewohnheit des Trinkens nur mit einer anderen Gewohnheit ersetzen. Dies ist zu Beginn vielleicht schwierig, aber der Mensch ist ein Gewohnheitstier und so wird er sich umgewöhnen. Man konditioniert sich ganz einfach neu.

Zu diesem Thema werde ich demnächst einen Artikel verfassen.

 

Ich wünsche allen, die versuchen, vom Alkohol loszukommen, viel Glück!

Ihr schafft das!!!

 

 

Quellen

weniger-trinken-online.de

alk-info.com

wikipedia.de

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About the Author Sonja Kieser

Coach gegen Depressionen

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