Hilfe, ich krieg nichts mehr auf die Reihe!

Eine Depression bringt dein Leben ziemlich durcheinander.

Je nachdem, wie stark sie ausgeprägt ist, kann das deinen Tagesablauf ziemlich durcheinander würfeln. Die Depression ist immer da, sie bestimmt deinen Tag, sie bestimmt für den Moment dein Leben.

Und du verlierst langsam die Kontrolle!

Es beginnt immer schleichend, oft bemerkt man es gar nicht gleich. Man hat keine Lust, den Haushalt zu machen und schiebt ihn vor sich her. Irgendwann erledigt man ihn dann doch. Man hat keine Lust, sich mit Freunden zu treffen und findet selbst Ausreden, warum man zuhause bleiben muss. Es ist Wochenende und man hat einfach keine Lust, duschen zu gehen. Und es ist doch eh egal, denn man geht ja eh nicht aus dem Haus. Kochen freut einen nicht, daher lässt man es und bestellt sich einfach etwas. Das geht schnell und kostet keine Mühe.

Du gewöhnst dich an diese lasche Art des Lebens, weil es ja einfach angenehmer ist, wenn man sich ein bisschen gehen lässt.

Aber das Fatale an der Sache ist, dass du dich an diese Umstände gewöhnst.

Zu Beginn stört dich noch der Schmutz in der Wohnung, aber irgendwann ist das der Normalzustand. Du gewöhnst dich an die faulen Wochenenden, die du ungeduscht in Schlabberhose und T-Shirt verbringst. Zu Wochenbeginn duschst du dich doch eh wieder. Du beginnst, das Fernsehen den Treffen mit Freunden zu bevorzugen, denn es macht keine Mühe. Du gewöhnst dich an das Fast Food, weil es bequemer ist, geliefert wird und einfach gut schmeckt.

Und hier beginnt die Abwärtsspirale.

Mann mit Depression

Denn nun lässt du dich noch mehr gehen.

Der Haushalt wird noch mehr vernachlässigt, schmutziges Geschirr bleibt tagelang in der Spüle liegen, von staubwischen oder staubsaugen ist gar keine Rede mehr. Wäsche waschen ist bei manchen noch okay, denn das macht die Maschine, eventuell besitzt man einen Trockner, der einem diese Arbeit erleichtert. Aber das Bügeln fällt auf alle Falle flach. Du vernachlässigst deinen Job, gehst öfters in den Krankenstand, weil du morgens nicht aus dem Bett kommst. Die Wochenenden werden nur mehr auf der Couch oder im Bett verbracht. Du nimmst nur mehr Fast Food zu dir, egal ob du es im Supermarkt kaufst oder es dir zum Liefern bestellst. Das hat auch noch den großen Nachteil, dass du an Gewicht zunimmst. Aber das ist dir egal.

Meist fällst du dann in so ein tiefes Loch, dass du dich gar nicht mehr raussiehst. Du siehst keinen Sinn in deinem Leben und handelst auch danach. Entweder verlierst du deine Arbeit oder du kündigst sie. Natürlich mit der Ausrede, dass du es nicht mehr schaffst. Und somit ist der letzte Anker in deinem Leben weg.

Wichtige Dinge, die du nicht aufschieben kannst bzw. die dir niemand abnimmt, erledigst du pflichtbewusst. Fast alle Frauen schaffen es, morgens ihre Kinder aufzuwecken und sie in die Schule zu schicken. Danach geht es wieder ab in die Falle.

Und natürlich ist die große Ausrede für all diese Dinge:

Die Depression ist Schuld. Ich kann nicht mehr arbeiten, ich schaffe meinen Haushalt nicht, ich bin aber nicht selbst Schuld.

Ich gebe dir Recht, wenn du sagst, eine Depression ist eine furchtbare Krankheit, die dein Leben total verändert und du dir schwer tust, damit zurecht zu kommen. Aber man muss sich auch schon die Frage stellen:

Warum schaffen einige depressive Menschen, trotz dieser Krankheit ihr Leben halbwegs in Ordnung zu halten, während andere total abstürzen und gar nichts mehr auf die Reihe kriegen.

Und ich kann dir den Grund dafür sagen.

Aus meiner eigenen Erfahrung.

Denn ich habe trotz einer sehr schweren Depression meinen Haushalt in Ordnung gehalten, für meinen Hund gesorgt und meinen Job erledigt.

Fiel es mir leicht? Sicherlich nicht! Auch ich habe oft mit mir gehadert und musste mich regelrecht selbst in den Hintern treten, damit ich die Dinge auch mache.

Und genau da liegt der Punkt:

Man darf sich nicht aufgeben. Man muss sich selbst in den Hintern treten und sich regelrecht dazu zwingen, die Dinge zu erledigen. Klingt hart? Ja, das ist es auch. Aber dadurch kommt man erst gar nicht in diese Abwärtsspirale hinein. Man ist beschäftigt und kann sich nicht so gehen lassen. Wenn man sich mal an das Faulenzen, lange Schlafen, nicht Putzen oder die fehlende Körperpflege gewöhnt hat, dann ist es sehr mühsam, sich wieder umzugewöhnen  und aktiv zu werden. Denn das bedeutet viel Arbeit. Und diese Arbeit erscheint dann wirklich oft wie ein unüberwindbarer Berg.

Wenn ich meine Wohnung zumülle, dann wird es irgendwann sehr viel Arbeit sein, sie wieder zu entrümpeln. Manchmal braucht man dann schon Hilfe von außen, weil man gar nicht weiß, wo man überhaupt anfangen soll.

Also, auch wenn es Angst macht:

Zwinge dich dazu, die wichtigsten Arbeiten zu erledigen. Tritt dir selbst in den Hintern! Mache dir einen Plan, wie genau du alles schaffen kannst und halte dich daran. Zwinge dich täglich dazu, deine To-Do-Liste abzuarbeiten.

Und du wirst sehen, dass es dir gleich besser geht.

 

 

 

 

 

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About the Author Sonja Kieser

Coach gegen Depressionen

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